"Immer geht es darum, das Leben dort, wo es gefangen ist, zu
befreien."(Deleuze, Guattari)
Die photographischen Arbeiten Martin Reisingers versuchen wirksame Gegenwarten zu schaffen.
Sie wollen den Weg von der Wahrnehmung zur Empfindung beschreiten.
Die natürliche Wahrnehmung muß dabei soweit verbogen werden, bis etwas sichtbar wird, was ihrem Blick verborgen bleibt - oder, mit Lyotard gesprochen: "Es ginge eher um einen schiefen Blick auf das Sichtbare, der abweichend genug wäre, dort etwas zu bemerken, was nicht sichtbar ist."Im photographischen Werk Martin Reisingers geschieht dies durch Mittel wie Perspektive ("studies of skin"), Ausschnitt (o-live), Langzeitbelichtung ("studies of motion", "selbst bewegt fremd") oder, im Falle von "Folia", durch eine Transprojektion der Negative durch dünne, stark strukturierte japanische Papiere in der Dunkelkammerarbeit.
Künstlerische Intention ist es, die visuelle Festschreibung der abgelichteten Objekte zu behindern, in Frage zu stellen oder gar aufzulösen um diese Objekte in eine lebendig-empfindsame Wahrnehmbarkeit zu führen und so einer wuchernden Rezeption anzubieten.